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3 Gründe gegen „Tiere essen ist natürlich“

Carpe

Es ist das Lieblingsargument vieler Steak- und Wurstliebhaber: Der Konsum von Fleisch ist natürlich. Tiere essen nun einmal andere Tiere. So war es immer und so sollte es auch bleiben.

Dieses Argument hält allerdings keiner Diskussion stand. Hier sind drei Gründe.

#1 Der Mensch ist Omnivor

Der Mensch ist, im Gegensatz zu vielen Raubtieren wie Katzen, Tigern, Eisbären oder Hyänen, kein reiner Fleischfresser. Wir sind Omnivoren, was bedeutet, dass wir uns nicht nur pflanzenbasiert, sondern auch mit tierischen Produkten ernähren können. Im Gegensatz zu den reinen Fleischfressern, sind wir allerdings nicht auf die tierischen Produkte angewiesen. Es gibt beispielsweise ein Volk im Himalaya-Gebirge, das seit über 5000 Jahren strikt vegan lebt. Außerdem ist es wissenschaftlich belegt, dass eine pflanzenbasierte Ernährung nicht nur möglich, sondern auch gesund ist.

Reine Fleischfresser haben keine Wahl. Sie benötigen Fleisch, um zu überleben. Der Mensch nicht.

#2 Wir können zwischen richtig und falsch urteilen

Der Mensch ist ein Lebewesen, das man aufgrund seiner intellektuellen Fähigkeiten im englischen Sprachraum gerne als moral agent bezeichnet. Er ist fähig zu sog. moral agency, der Einschätzung, ob eine Handlung als richtig oder falsch empfunden wird.

Es herrscht gesamtwissenschaftlicher Konsens, dass der Mensch das einzige Tier ist, das zu einer solchen Einschätzung aufgrund von rationaler Reflexion gelangen kann. Damit haben wir vielen Tieren etwas voraus – doch das geht auch mit einer großen Verantwortung einher.

Denn durch die Tatsache, dass wir Situationen und Handlungen entsprechend einschätzen können, geraten wir besonders beim Fleischkonsum in Nöte:

Wie legitimieren wir das Töten einer fühlenden Kreatur, wenn diese Handlung nachweislich nicht notwendig ist? 

Wir können und müssen für unsere Handlungen geradestehen. Ein Tier kann das nicht. In der Tierwelt finden regelmäßig Vergewaltigungen und Morde innerhalb einer Spezies statt. Wenn wir unsere Moralvorstellungen nach der Natur ausrichten, müsste das demnach auch für uns kein Problem darstellen. Empfinden wir es aber als legitim, andere Menschen zu vergewaltigen oder zu töten? Hoffentlich nicht.

Die Natur darf keine Quelle für Moral sein.

Denn die Fähigkeit zur Moralbildung ist menschlich. Wenn wir also eine Handlung nicht legitimieren können, dann sind wir gezwungen, sie zu hinterfragen.

#3 Unser Konsum basiert auf Abstrahierung

Angenommen, wir gehen jagen. Wir erschießen ein Reh und sehen es vor uns am Boden liegen. Was fühlen wir?

Wir sind sicher nicht hungrig. Das Argument, dass Tiere andere Tiere töten und diese Handlung deshalb für den Menschen ebenso legitim ist, lässt sich auch an dieser rein biologischen Reaktion widerlegen. Denn die meisten Personen fühlen wesentlich eher Ekel, Trauer oder gar Mitleid mit dem verstorbenen Tier. Keiner von uns käme auf die Idee, gleich dort am Waldboden mit dem Verspeisen des Kadavers zu beginnen.

Das hat mit der Abstrahierung des Fleisches und des Prozesses in der modernen Gesellschaft zu tun. Die Verbindung vom lebenden Tier zum im Plastik verpackten Produkt im Supermarkt wurde derart gekappt, dass wir beim Kauf nicht mehr daran denken, dass ein lebendes Wesen sterben musste, damit wir von einem kurzzeitigen Genuss profitieren können. Wir sind nicht die furchtlosen Jäger, wir sind lediglich Konsumenten eines Produktes. Oder vergleichen wir uns tatsächlich mit einem Tier, das sich im hohen Gras an seine Beute heranschleicht, wenn wir nach dem Hackfleisch im Gefrierfach greifen?

Wir konsumieren das Fleisch eines Tieres, das von einer anderen Person (meist sind es unterbezahlte Migranten ohne große berufliche Möglichkeiten) für uns getötet worden ist. Daraus werden nur die Stücke aufbereitet und verkauft, die wir auch wirklich konsumieren wollen. Der Kapitalismus macht aus Leben ein Produkt und aus Jägern selektive Konsumenten.

Nein, wir sind wahrlich keine keine Raubtiere. Wären wir von unserer wortwörtlichen Fleischeslust getrieben, dann sähe unser Konsum sicherlich anders aus.

Wir sind mittlerweile gar soweit, dass wir faktisch sagen:

„Die 15 Minuten, in denen ich dieses Steak geniessen werde, sind aus meiner Sicht wertvoller als das Recht auf Leben und Freiheit eines anderen fühlenden Lebewesens.“

Denn, und das ist wichtig: Es geht nie um die Frage, ob das Leben eines Menschen oder dasjenige eines Tieres wertvoller ist. Es geht lediglich darum, ob man glaubt, dass sein eigenes Geschmacksempfinden wertvoller als ein Leben ist. Das ist alles.

Und wer Schwerigkeiten hat, diese Frage zu beantworten – ich hoffe, das ist für alle Fleischesser unter euch nicht einfach – der sollte sich vielleicht einmal fragen, warum das so ist.

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Ein Gedanke zu “3 Gründe gegen „Tiere essen ist natürlich“

  1. Sehr gute Zusammenfassung :).

    Ich denke ein weiteres Argument wäre wohl auch, dass es uns je nach Gesellschaftsform anerzogen ist welche Tierarten zum Verspeisen gedacht sind und welche nicht. Der sogenannte Karnismus wie Dr. Melanie Joy es ausdrückt.

    Viele Fleischessende könnten sich ja auch nie und nimmer vorstellen ein Tier selbst zu töten.

    Man könnte noch viele weitere solcher Argumente finden.

    Gefällt 3 Personen

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