Vegan

Wieso ich dieses Stück Fleisch essen würde

memphismeats

Neun Prozent der österreichischen Gesamtbevölkerung ernährt sich laut einer Umfrage aus dem Jahr 2014 vegetarisch. Das sind grob 760.000 Menschen, die angegeben haben, kein Fleisch zu konsumieren.

Viele dieser Menschen begründen ihren Verzicht mit der Tatsache, dass sie sich vor Fleisch ekeln und ihnen der Geschmack nicht – oder nicht mehr – zusagt. Zu diesen Menschen gehöre ich nicht. Denn dass ich mich pflanzenbasiert ernähre, hat in meinem Fall vor allem ethische Gründe.

Genau deshalb gibt es ein tierisches Produkt, auf dessen großflächige Verfügbarkeit ich bereits heute hoffnungsvoll blicke: In-vitro-Fleisch.

Mark Post ist In-vitro-Forscher am Physiologischen Institut der Universität Maastricht und der Kopf hinter jenem Projekt, das zwei Nahrungsmittelkritikern 2013 in London einen künstlich gezüchteten Burger serviert hat.

Im Rahmen eines Twitter Q&A sagte Post im vergangenen September, dass er damit rechnet, dass in fünf Jahren mit der kommerziellen Vermarktung der ersten künstlich hergestellten Fleischerzeugnisse begonnen werden kann. Also relativ bald.

Doch was genau ist dieses In-vitro-Fleisch eigentlich und wieso sollte man seine Entwicklung unterstützen?

In ihren Grundzügen besagt die Idee, tierisches Fleisch (fast) ohne Tiere erzeugen zu wollen. Denn vom Tier stammen bei dieser Methode nur noch die initial verwendeten Muskelzellen, die mit einer schmerzfreien Methode extrahiert werden, ehe sie sich in einem passenden Wachstumsumfeld vermehren.

Kritiker des Laborfleischs benennen unter anderem seine hohen Herstellungskosten als gravierenden Nachteil. Doch die Preise sind in den letzten Jahren drastisch gesunken: Hatte der erste Burger in London in nämlich noch Kosten von über einer Viertelmillion Euro verursacht, ist der Preis laut Post mittlerweile auf unter 65 US-Dollar pro Kilogramm Fleisch gesunken.

Kann ein Veganer In-vitro-Fleisch essen?

Ja und nein. Diese Frage ist schwierig zu beantworten, da die Entscheidung, wie man seine persönlich Interpretation von Veganismus lebt, sich von Person zu Person unterscheidet.

Ich für meinen Fall würde In-vitro-Fleisch als vegan bezeichnen, weil es mein Anspruch ist so zu leben, dass durch meinen Konsum keine Tiere schweren Schaden nehmen und gleichzeitig die Umwelt geschont wird. Und beides wäre mit dieser Methode gewährleistet.

Denn In-vitro-Fleisch wird zwei fundamentale Veränderungen gegenüber der momentanen Fleischherstellung hervorbringen:

  • Für die Herstellung von Fleisch müssen keine Tiere mehr sterben.
  • Es müssen wesentlich weniger Tiere weltweit gehalten werden, was sich positiv auf die Umwelt auswirkt.

Das ist wichtig, denn unabhängige Umweltstatistiken sprechen praktisch ausschließlich gegen herkömmlich gezüchtetes Fleisch. Neben der Tatsache, dass fast 51% der weltweiten Treibhausgasemissionen auf die Massentierhaltung zurückzuführen sind, wird ein Drittel der eisfreien Fläche der Welt entweder für die Bewirtschaftung von Feldern mit späterem Tierfutter oder für die Haltung von Tieren an sich verwendet.

Zudem fließen bis zu 1300 Liter Wasser in die Herstellung von einem Kilogramm Rindfleisch. Bedenklich, wenn gleichzeitig 783 Millionen Menschen weltweit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben.

Darüber, dass der weltweite Hunger auf Fleisch weitreichende Schäden für unseren Planeten verursacht, Monokulturen fördert und unverhältnismässig viele Ressourcen verbraucht, herrscht in Wissenschaftskreisen mittlerweile größtenteils Übereinstimmung.

Die Idee von Post wird also von beiden Seiten unterstützt: Sowohl viele Fleischesser als auch Umwelt- und Tierschutzaktivisten befürworten seine Forschung. Fleischpuristen, die sich gegen das unnatürlich gezüchtete Produkt sträuben gibt es natürlich dennoch.

Was spricht neben den Kosten gegen Fleisch aus dem Labor?

Ethische Bedenken.

Denn Menschen, die eine andere Motivation für ihren Fleischverzicht haben als beispielsweise ich es tue, sehen es als grundsätzliches Problem, dass auch für diese Form von Fleischherstellung Tiere benötigt werden. Die Technik bedarf nämlich noch immer individuelle, wiederkehrende Entnahmen von Muskelzellen bei den betroffenen Tieren.

Einmal muss reichen!

Auch, wenn ich sage, dass ich ein Stück In-vitro-Fleisch essen würde: Dass ich im Labor gezüchtetes Fleisch selbst bei einem vergleichsweise günstigen Anschaffungspreis fix in meinen Ernährungsplan integrieren würde, bezweifle ich dennoch stark.

Denn ich habe mittlerweile für mich selber festgestellt, dass kein Fleisch zu essen für mich keinen Verzicht mehr darstellt. Pflanzliche Alternativen sind nicht nur zahlreich, sie sind meist auch gesünder, schmecken genauso lecker und tragen zu einer ausgewogeneren und bewussten Ernährung bei. Ich glaube zudem, dass es das grundlegende Ziel der Menschheit sein sollte, sich langsam aber stetig in Richtung einer ausgewogenen und bestenfalls rein pflanzenbasierten Ernährung zu bewegen.

Dennoch bin ich überzeugt, dass eine Veränderung der globalen Essensgewohnheiten hin zu einer solch absoluten Lösung („Keine tierischen Produkte mehr!“) nicht ohne eine schrittweise Annäherung möglich ist. Zwischenschritte helfen enorm.

Wenn man also Tierwohl und Umweltschutz als Hauptmotivation für seine Auslegung von Vegetarismus oder Veganismus nimmt, dann ist In-vitro-Fleisch vorallem eines: Ein Schritt in die richtige Richtung.

 

 

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2 Gedanken zu “Wieso ich dieses Stück Fleisch essen würde

  1. unsere zukunft muss vegan werden und wird es auch. kein weg führt daran vorbei.
    schon heute produziert die fleischindustrie „ersatzfleisch“ und ich gebe dir recht, auch fleisch aus dem labor wird auf den markt kommen. die lebensmittekonzerne haben erkannt, dass es mit tierischen produkten bald vorbei sein wird.
    aber natürlich kann man auch weiterhin auf fleisch und tierische produkte ganz verzichten und sich auf die natürlichen nahrungsmittel beschränken.

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