Welt

Was ist deine Mission?

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Studieren ist nicht immer spannend.

Während meines Studiums besuchte ich allerlei Kurse, an deren Inhalt ich mich nur noch teilweise erinnern kann. Theorie hier, Theorie da, er hat gesagt, sie hat geschrieben, dieses Modell sagt das aus… Da prasselten echt viele Informationen auf mich ein. Und vieles vom Gesagten und Gelesenen war sicherlich wichtig. Wirklich präsent ist mir aber nur mehr das, was ich schon damals intuitiv als bedeutungsvoll empfunden habe.

In meinem vorletzten Semester stellte uns ein Dozent vor eine Aufgabe, von der ich wusste, dass sie mir noch lange in Erinnerung bleiben würde. Denn der Auftrag schien alles andere als einfach.

Jeder von uns musste ein Mission Statement verfassen. Für das eigene Leben.

Die Logik hinter der Aufgabenstellung schien nachvollziehbar. „Wie wollt ihr wissen, was ihr mit eurem Leben machen wollt“, fragte er uns, „wenn ihr nicht wisst, was ihr selbst als eure Aufgabe empfindet?“

Diese Frage ist nicht einfach, weil sie bedingt, dass man sich aktiv mit seinem Wertesystem auseinandersetzt.

Wie reagiert man, wenn man realisiert, dass die eigene Hauptmotivation für den täglichen Einsatz praktisch nur materielle Besitztümer sind? Wenn es einem vor allem darum geht, irgendwann ein Haus, ein Auto und eine teure Uhr sein Eigen zu nennen? Selbst Menschen, denen ihre Habseligkeiten schon immer sehr wichtig waren, würden vielleicht beginnen, ihre grundlegenden Intentionen zu hinterfragen, wenn sie schwarz auf weiß vor ihnen auf Papier gekritzelt stehen.

Denn oberflächlich ist niemand gerne.

Zunächst aber zu etwas Grundsätzlichem: Was ist das eigentlich so ein Mission Statement? 

In einem Mission Statement befassen Organisationen sich mit der Aufgabe, die sie mithilfe ihres Handelns bewältigen wollen. Sie packen also praktisch ihre Existenzberechtigung in eine kompakte Formulierung.

Google will beispielsweise „die Informationen der Welt organisieren und für alle zu jeder Zeit zugänglich und nutzbar machen.“

Teslas Mission ist die „Beschleunigung des Übergangs zu nachhaltiger Energiegewinnung.“

Und eine NGO wie Amnesty International widmet sich dem Ziel, „dafür zu sorgen, dass alle Menschen unabhängig von Hautfarbe, Religionszugehörigkeit, Ethnie, sexueller Orientierung und Geschlecht ihre Menschenrechte in Anspruch nehmen können.“

Klingt sinnvoll – aber wie übersetze ich das auf mich?

Wir wurden gezwungen, erstmal in uns zu kehren.

Unser Dozent half uns, indem er Satzschnipsel wie I aspire to… oder My goal is… vorschlug, mithilfe derer wir unsere Formulierung aufbauen konnten. Davon machte ich natürlich gerne Gebrauch.

Ich startete mit den Basics. Ich möchte körperlich und geistig fit bleiben. Das bedeutet, dass ich mich regelmäßig bewegen möchte und gleichzeitig nie mit all dem aufhören will, was mich intellektuell weiterbringt.

Mein erster Satz lautete also:

I aspire to be my best possible self on a physical and mental level.

Kurz und knackig. Schön.

Als nächstes wollte ich ein für mich ebenso wichtiges Thema angehen: meine Beziehungen. Ich lege großen Wert auf Gleichheit und gegenseitigen Respekt. Gleichzeitig glaube ich daran, dass man vertrauenswürdig handeln und die Menschen um sich herum so behandeln sollte, wie man es sich für sich selbst wünscht.

Teil zwei meines Mission Statements lautete also:

I want to build and maintain friendships and relationships on the foundation of trust, mutual respect and generosity.

Es nahm langsam Form an. Doch einiges fehlte noch. Da das Statement eher kompakt sein sollte, musste ich einen Weg finden, sämtliche anderen Ziele so zu paraphrasieren, dass sie in einen Satz passen. Ich musste aber dennoch stets in der Lage sein zu verstehen, was ich eigentlich damit sagen will. Schwierig.

Denn ich empfinde es als eines meiner größten Ziele, dass meine Existenz nachhaltig etwas auf diesem Planeten verändert. Ich würde mir wünschen, dass irgendetwas von mir überlebt, wenn ich einmal nicht mehr hier bin. Und ich spreche nicht nur von Kindern.

Ein glückliches und erfülltes Leben will ich aber natürlich auch.

Diese zwei Elemente mussten als Brücken für alles andere genügen. Um sie also im letzten Teil meines Mission Statements zu vereinen, formulierte ich folgenden Satz:

My goal is the pursuit of happiness and having a positive impact on other people’s lives.

Hier nochmals zusammengefasst das gesamte Statement, wie es zum Schluss vor mir stand und wie es noch heute jeweils auf Seite 1 meiner privaten Notizbücher steht (ja, ich schreibe es immer auf die erste Seite, weil ich mich jedes Mal wieder dran erinnern will).

I aspire to be my best possible self on a physical and mental level. I want to build and maintain friendships and relationships on the foundation of trust, mutual respect and generosity. My goal is the pursuit of happiness and having a positive impact on other people’s lives.

Wieso finde ich diese Übung sinnvoll?

Ich erinnere mich noch heute an diese Aufgabe, weil ich überzeugt bin, dass sie mich weitergebracht hat. Sie hilft mir, mir vor schwierigen Entscheidungen bewusst zu machen, was ich eigentlich will. Denn durch dieses Statement ist mir absolut klar, wofür ich einstehen will. Widerspricht ein mögliches Ziel meinem persönlichen Mission Statement, dann kommt es für mich nicht in Frage.

Die Worte diesen also eigentlich als mein persönlicher moralischer Wertekompass, mit dessen Hilfe ich meinen Weg durchs Leben gehe. Verlaufen gibt’s nicht mehr.

Arnold H. Glasow hat einmal gesagt: „Make your life a mission, not an intermission.

Und seit mich mein Statement beim täglichen Öffnen meines Notizbuches anlacht, habe ich wirklich verstanden, wie Recht er damit hat.


Hast auch du bereits dein eigenes Mission Statement oder dir nach dem Lesen dieses Artikels die Zeit genommen, eines zu verfassen? Teile es doch hier als Kommentar – ich bin gespannt!

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4 Gedanken zu “Was ist deine Mission?

  1. Toller Beitrag und super interessantes Thema, wie ich finde! Mein Missions Statement wäre wahrscheinlich deinem sehr ähnlich, vorrangig allerdings auf das Thema „positive impact on other peoples lifes“ fokussiert. Liebste Grüße, Julia

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  2. Wow, schöner Beitrag, kann deine Gedanken sehr gut verstehen! 🙂 Du hast Dir wirklich einige sehr noble Dinge vorgenommen, wobei ein Mission Statement vielleicht ja auch gar nicht als fixes Ziel, sondern vielmehr Wegweiser zu verstehen ist, an dem man seine Handlungen und Entscheidungen ausrichtet. Viel Erfolg dabei 🙂
    LG,
    Jane von Bears&Berries

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