Reisen, Welt

Was sind meine Prioritäten?

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Prioritäten zu setzen ist schwierig. Besonders dann, wenn uns der Alltag wieder einmal über den Kopf wächst. Immer wieder verheddern wir uns zwischen Studium, Neben- oder Vollzeitjob, sozialen Kontakten und Zeit, die wir für uns selber einplanen möchten. Doch nicht nur die Zeit stellt ein Problem dar: Wir sind uns auch unsicher, worin wir unser Geld stecken möchten.

Will ich raus aus dem WG-Leben, will ich endlich ein Auto oder will ich doch diese eine, große Reise machen, von der ich schon lange träume?

Auch ich habe mir all diese Fragen immer wieder gestellt – bis ich einfach einmal schriftlich festgehalten habe, was eigentlich meine Prioritäten sind. Seither ist meine Welt ein bisschen einfacher.

Die Erstellung einer Prioritätenliste kann ziemlich erleuchtend sein, weil sie unser oftmals unbewusstes Verhalten erklären kann. Immer wieder habe ich mich beispielsweise dabei erwischt, wie ich gesagt habe, dass ich für einige Dinge schlicht keine Zeit im Alltag finde. Dabei lag die Wurzel dieses Handelns vielleicht wesentlich tiefer.

Autorin Laura Vanderkam hat für das Wall Street Journal einen Artikel verfasst, in dem sie unsere ständige Überzeugung anspricht, für viele Dinge nie wirklich Zeit zu haben. Der Beitrag ist leider durch eine PayWall geschützt – ein Zitat daraus möchte ich euch aber nicht vorenthalten:

Instead of saying „I don’t have time“ try saying „it’s not a priority,“ and see how that feels. Often, that’s a perfectly adequate explanation. I have time to iron my sheets, I just don’t want to. But other things are harder. Try it: „I’m not going to edit your résumé, sweetie, because it’s not a priority.“ „I don’t go to the doctor because my health is not a priority.“ If these phrases don’t sit well, that’s the point. Changing our language reminds us that time is a choice. If we don’t like how we’re spending an hour, we can choose differently. – Laura Vanderkam, Wall Street Journal

Was Vanderkam anspricht ist wichtig: Wieso sind wir manchmal nicht einmal fähig, die Versprechen an uns selbst einzuhalten? Weil sie uns nicht so wichtig sind, wie wir uns das vielleicht wünschten.

Doch Vanderkam kritisiert auch. So kann es Dinge geben, die uns vielleicht wichtiger sein sollten, als sie es momentan sind.

Als ich mich der Aufgabe gestellt habe meine Prioritäten aufzulisten, habe ich versucht, mich gedanklich möglichst von meinem momentanen Verhalten zu lösen. Alles zu hinterfragen.

#1 – Was sind meine Ziele?

Punkt 1 ist gleich der wichtigste. Ohne die Beantwortung dieser Frage ist es unmöglich festzuhalten, wie man die einzelnen Handlungen seines Alltags priorisieren soll, weil man kein konkretes Ziel vor Augen hat.

Ich nehme drei meiner Ziele für 2017 als Beispiel: Nach Neuseeland reisen, diesen Blog aufbauen und einen Marathon absolvieren.

#2 – Organisiert vorgehen

Diese Ziele kannte ich bereits im Sommer 2016, weshalb ich genügend Zeit hatte, um darauf hinzuplanen. So musste ich für die Neuseeland-Reise beispielsweise einen für meine Verhältnisse beträchtlichen Betrag sparen. Das mache ich durch eine klare Priorisierung dieses Ziels in meinem Alltag: Ich lebe noch immer in einer günstigen WG, habe kein Auto, koche viel selber und überweise einen fixen, monatlichen Betrag auf mein Sparkonto. Ziemlich simpel eigentlich.

Ich habe zudem festgelegt, dass ich 2017 einmal wöchentlich einen Blogartikel veröffentlichen werde. Es gibt keine Ausreden. Auch jetzt nicht, wo in Sichtweite gerade zehn Backpacker gemeinsam zwei Flaschen Wein trinken und den Sonnenuntergang auf Waiheke Island betrachten, während ich daneben alleine mit einem Bier diesen Beitrag verfasse (ihr versteht sicher, wenn ich mich heute ein wenig kürzer halte).

Das Marathontraining habe ich im Oktober aufgenommen. Eigentlich wollte ich Mitte April am Paris Marathon teilnehmen, was aufgrund einer Knieverletzung nicht möglich ist. Aber hey – da gibt’s ja immer noch den Herbst. Das Ziel bleibt dasselbe.

#3 – Sich für Erfolge belohnen

Etliche Artikel, die ich zu diesem Thema gelesen habe, sprechen von Belohnungen. Bei mir persönlich funktionieren Bestrafungen besser. Konkret habe ich bei meinem Blogziel mit einem Freund eine einfache Abmachung getroffen: Erscheint nicht einmal wöchentlich ein Artikel hier, dann kriegt er 100 € von mir. Da das aber meine Reiseziele ziemlich heftig treffen würde, werde ich mich hüten, diese Abmachung zu brechen! Außerdem macht mir das Verfassen dieser Beiträge einfach unheimlich Spaß. Schwerfallen tut es mir also nie.

Wenn für euch Belohnungen besser funktionieren, dann gönnt euch ein Festmahl, nachdem ihr euren Marathon gerannt seid! Ladet euch selbst auf einen Städtetrip ein, nachdem ihr eure 1000 € gespart habt! Esst eine halbe Tafel Schokolade, nachdem die 5 Kilo weg sind (wenn ihr das dann noch wollt)!

#4 – Man kann nicht alles machen.

Das ist definitiv der Punkt, der für mich am härtesten zu lernen war.

Ich musste mir selber eingestehen, dass ich nicht 3x wöchentlich ins Fitnessstudio gehen möchte, weil das momentan nicht zu meinen Prioritäten gehört. Ich werde außerdem noch keine eigene Wohnung suchen. Und neue Klamotten gibt’s auch keine.

Im Laufe unseres Lebens setzen wir uns viele Ziele. Einige sind kleiner, einige größer als andere. Und viele davon werden wir nie erreichen, allein schon aufgrund der Tatsache, dass der Tag nur 24 Stunden hat und wir schlicht nicht alle davon verfolgen können.

Doch ich bin ein Verfechter der Geduld. Ich nehme mir ein Ziel nach dem anderen vor, was bedeutet, dass sich auch meine Prioritäten zwangsweise nach einer gewissen Zeit verändern werden. Und das ist gut, weil nie alle Ziele den gleichen Zeithorizont haben. Einige sind sehr kurzfristig und andere – zum Beispiel gute Freundschaften pflegen – können ein Leben lang andauern.

Goethe hat einmal geschrieben: “Wichtige Dinge dürfen nie den unwichtigen untergeordnet werden.”

Angesichts dieser Tatsache haben wir keine Wahl, außer in uns zu kehren und für uns selbst die Frage zu beantworten: Was sind meine Prioritäten?

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4 Gedanken zu “Was sind meine Prioritäten?

    • silvanomarco schreibt:

      Vorbildlich, dass du das jede Woche machst! Davon bin ich leider selbst immer noch ein ganzes Stück entfernt. Und zu deinem zweiten Punkt: Man kann sicher vieles machen, wenn man sich Zeit gibt. Viele Menschen überschätzen massiv, was sie im Verlauf der nächsten zwei Monate alles erreichen können und unterschätzen, was in zehn Jahren alles machbar ist. Zeit- und Erwartungsmanagement sind aus meiner Sicht ziemlich wichtig.

      Gefällt mir

  1. Ich habe den TED-Talk von Laura Vanderkam zu diesem Thema gesehen. Und, obwohl eigentlich bereits vorher bewusst, tut es gut, nochmal aufgerüttelt zu werden. Außerdem scheint mir, du hast völlig recht mit der Annahme, man müsse seine Prioritäten auflisten. Und zwar schriftlich, nicht nur im Kopf. Letzteres hat bei mir zumindest nicht den durchschlagenden Erfolg gebracht. Mein nächstes kurfristiges Ziel hiermit: meine Prioritäten endlich mal SCHRIFTLICH festhalten! Thanks for the reminder. 🙂

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