Kultur, Vegan

Wir, die Erdlinge

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Samstag vor neun Wochen war ein typischer Sofatag. Wie des Öfteren durchforstete ich verschiedene Filmlisten auf IMDb auf der Suche nach Dokumentationen, die mir gefallen könnten. Auf diese Weise stieß ich erstmals auf Earthlings (2005).

Diejenigen unter euch, die sich ab und zu auf IMDb aufhalten, wissen, warum mir die Userbewertung von 8.7 sofort ins Auge gestochen ist – bei vielen Menschen muß dieser Film einen bleibenden Eindruck hinterlassen haben. Nach kurzem Überfliegen der Reviews war ich überzeugt: Das ist ein Film für mich.

„For those who watch Earthlings, the world will never be the same.“ – Tom Regan

Ich werde mich noch lange an diesen Entschluss und seine Folgen erinnern. Aus jetziger Sicht war es eine der vielleicht weitreichendsten Entscheidungen meines bisherigen Lebens, da sie meine Lebensweise seither auf den Kopf gestellt hat.

Es gibt wenige Filme, die einen sprachlos zurücklassen. Filme, über die man noch Wochen später reflektiert und die einen dazu bringen, sein alltägliches Verhalten zu hinterfragen. „Wieso kaufe ich Lederschuhe? Muss es ein Joghurt mit Milch sein, wenn daneben ein Sojajoghurt steht? Brauche ich die Honigseife oder kann es auch eine andere sein?“

Klar, es existieren unzählige Filme, die Veganismus oder die Konsequenzen von Massentierhaltung für den Planeten behandeln – doch nur wenige hinterlassen einen solch bleibenden Eindruck wie Earthlings. Denn dieser Film war anders. Dieser Film hat es geschafft, an meinen Grundfesten zu rütteln. Und er hat mehr bei mir ausgelöst als je ein Werk zuvor.

Ich musste erstmals in meinem Leben eine Dokumentation pausieren, weil ich einen Punkt erreicht hatte, an dem Weiterschauen für ein paar Stunden einfach nicht möglich war.

Mit seiner brutalen Ehrlichkeit schafft es Regisseur Shaun Monson eine Flut an Gefühlen beim Zuschauer auszulösen und die asymmetrische Machtbeziehung von Mensch und Tier in all ihren Facetten aufzuzeigen. Schonungslos deckt er dabei die Selektivität des Mitgefühls auf, mit dem wir Tieren in verschiedenen Lebensbereichen begegnen.

Durch die Etablierung des Speziesismusbegriffs und der Kontextualisierung mithilfe anderer Diskriminierungsformen wie Sexismus oder Rassismus nimmt er den Zuschauer an der Hand und führt ihn verständnisvoll an die Thematik heran. Den Inhalt gliedert er daraufhin in mehrere Kapitel, was dem filmischem Manifest eine leicht nachvollziehbare Struktur verleiht.

“Of all the films I have ever made, this is the one that gets people talking the most. For every one person who sees Earthlings, they will tell three.” – Joaquin Phoenix, Englischer Sprecher

Viele Aufnahmen des Films würden in ähnlichen Dokumentationen aufgrund ihrer nur schwer verdaulichen Brutalität nicht gezeigt – und genau hier setzt Monson an. Die Tatsache, dass er einen anderen Weg wählt, ist kalkulierte Provokation. Er zeigt auf, mit welchen Handlungen Fleischesser implizit einverstanden sind – durch Ignoranz, Indifferenz oder selektive Wahrnehmung.

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Ausschnitt DVD-Cover: Earthlings (2005)

Ich empfinde es als unglaublich wichtig, dass ich es geschafft habe, den Film zu Ende zu schauen. Und es ist essentiell, dass möglichst viele Menschen es mir gleichtun.

Weil diese Geschichten nicht fiktiv sind. Weil das echte Leben sind. Die Tiere, ihre Schreie, die Ungerechtigkeit, das Ausmaß des faktischen Massenmords – all das ist echt, all das geschieht.

Als jemand, der selbst während den ersten 23 Jahren seines Lebens Fleisch gegessen hat, weiß ich, wie schwierig die Abkehr davon ist. Vor allem, wenn man sich nicht aktiv mit den Thematiken der Massentierhaltung oder mit veganer Ernährung befasst. Aber wie mich vor knapp drei Jahren bereits ein Film dazu bewogen hat, Vegetarier zu werden (Vegucated, auf Netflix verfügbar) hat Earthlings mich dazu gebracht, meine Beziehung zu Tieren und den aus ihnen gewonnenen Nutzen in sämtlichen Lebensbereichen zu hinterfragen.

Ihr glaubt noch immer, ihr verkraftet das? Gut. Ich fordere euch nämlich heraus: Schaut euch den Film an und kommentiert eure Gedanken dazu.

Hier geht’s zur deutschen Version des Films. Die englische Version findet ihr gleich hier:

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2 Gedanken zu “Wir, die Erdlinge

  1. Pingback: 100 Tage vegan | silvano marco

  2. Ich habe es leider bis heute nicht geschafft mir den Film anzusehen, er liegt seit ich ihn vor einem Jahr gekauft habe auf dem Couchtisch und auch wenn ich oft kurz davor war habe ich mich bis heute nicht überwunden. Ich habe den Trailer angesehen und einfach nur eine gefühlte Ewigkeit geweint, die Grausamkeit wie Tiere behandelt werden ist für mich immer wieder aufs neue unfassbar. Seit drei Jahren bin ich vegan und ich habe mir unzählige Dokumentation angesehen, youtube-videos und auch Bücher gelesen und vielleicht liegt es auch daran, dass all dieses Wissen welches mich damals wachgerüttelt hat ich mir nicht nochmals bildlich ansehen möchte. Manchmal frage ich mich warum ich den Film überhaupt gekauft habe, vielleicht zum einen um Shaun Monson zu unterstützen und vielleicht ja weil ich irgendwann doch über meinen Schatten springen und doch auf die play Taste drücken werde. LG Nicole

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